Pointiert und mit viel Sprachwitz entwirft Friedrich Torberg aus eigener Erinnerung ein Porträt der liebenswerten, längst entschwundenen Welt des ehemaligen Habsburgerreiches und der jüdischen Bohème in Budapest, Prag und Wien. Zugleich lässt er ein faszinierendes Kapitel Kulturgeschichte in neuem Licht und altem Glanz erstehen. Noch einmal wird das Lebensgefühl einer ganzen Epoche beschworen, von all den großen und kleinen Leuten erzählt, die sich in den Kaffeehäusern der Habsburger Metropolen tummelten. Ein 'Buch der Wehmut' nennt Torberg selbst diese Sammlung von Geschichten aus vergangener Zeit in seinem Geleitwort, doch es ist eine heitere, eine lächelnde Wehmut, die aus seinen geschliffenen, geistreichen, witzigen Anekdoten hervorleuchtet.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Innsbruck
5/5
18.08.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Der Klient verblödet mir unter den Händen"
re-read, nach langer Zeit:
immer noch amüsant, intelligent und - LESENSWERT!!!!!
Bewertung
5/5
10.06.2018
Buch (Taschenbuch)
Ja damals...
Friedrich Torberg (eigentlich Friedrich Ephraim Kantor-Berg) entführt den Leser mit Wehmut, aber mit noch mehr verschmitztem (jüdischem) Humor, in die Zeit der k.u.k.-Monarchie bis zum beginnenden Nationalsozialismus.
Er erinnert sich an Personen und Begebenheiten aus dem intellektuellen Milieu zwischen Wien, Prag und Budapest. Er beschreibt eine Welt, jüdisch geprägt, von Literaten, Künstlern, Theaterleuten, hauptsächlich in der Atmosphäre des Wiener Kaffeehauses.
Und er erzählt von der Zerstörung dieser Welt mit Beginn der Nazi-Herrschaft, und dem Versuch, diese Kultur in der Emigration, rund um den Globus, aufrecht zu erhalten.
Die Anekdoten erzählen von „Käuzen und Originalen“, die es in unserer schnelllebigen, materialistischen, Konsum-orientierten Gesellschaft nicht mehr gibt.
Ein wehmütig-humorvolles Buch, geschrieben mit der erkennbaren Lust am Fabulieren.
Rodrigo Frez-Hidalgo
aus Wien
5/5
05.01.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Als Österreich noch war
Was ist Österreich, was ist die österreichische Seele, was macht uns aus und wie viel steckt heute in uns, von dem was gestern war?
Friedrich Torberg, ein Pseudonym, der uns eher vom Schüler Gerber bekannt sein wird, schreibt eine andächtige Sammlung an Anekdoten, die das Herz eines jeden Melancholikers höher wird schlagen lassen . Dass Wien einst ein blühende Hochburg jüdischer Mitbürger war, geht aus diesem Werk genauso heraus, wie die schleichende Erkenntnis, dass niemand anders daran Schuld trägt, dass sie uns nun nicht mehr zur Zierde und zum Stolz gereichen, als dass das Schicksal und die Geschichte eines Landes es nicht anders wollten. Torberg begreift den Juden nicht als etwas Fremdes in Wien, sondern entführt uns in eine Zeit, als das jüdische Bürgertum ein fester und untrennbarer Bestandteil der k.u.k. Monarchie war. Obwohl Torberg anstatt fingerzeigend sich lediglich auf Erzählungen beschränkt, entdecken wir auch den langsam aufkommenden Nationalsozialismus als Naturgewalt dummer Winde, die sich darauf verstanden, den ehemaligen Glanz dieses ganz besonderen Wiens hinwegzufegen. Besonders die Passage über Herrn Dr. Sperber, der Rechtsanwalt gewesen war, hat es mir persönlich sehr angetan. Torberg verbindet die witzige Erinnerung an einen Werbereim, den Herr Sperber erdacht hatte "Räuber, Mörder, Kindsverderber, gehen nur zu Dr. Sperber" mit der Erinnerung an seinen plötzlichen Tod, als er von einer Nazischerge niedergetrampelt worden war. Doch das Buch ist nicht durchwegs von einer gefühlsmäßigen Berg und Talfahrt gekennzeichnet, sondern verliert sich auch in Berichten über beispielsweise den Wiener Tortenstreit. Was Thomas Mann bei dem Fernsehfilm "Die Manns" bei seinem Auszug aus Deutschlang über sich gesagt hat, will ich nun an Österreich und Torberg dingfest machen, und an all den Figuren, die in diesem so liebevoll und genial zugetragenem Werk zusammenfinden. "Sie denken Sie sind Österreich (Anm.: die Nationalsozialisten), aber ich bin es!"
Patrick Nagl
aus Wien
5/5
16.07.2010
Buch (Taschenbuch)
Wiener Kaffehäuser und seine Originale
Die Tante Jolesch ist wohl die humorvollste Anektotensammlung über Wiens Schrullen und Besonderheiten. In einer äusserst gelungenen und lustigen Darstellung verschafft Torberg dem Leser ein Bild der Wiener Boheme in den 30er Jahren, die an Aktualität und auch an Originalen bis jetzt noch nichts eingebüßt hat.
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